Auf einem Bauernhof, ganz in deiner Nähe!, lebte einst ein Huhn namens Emma. Sie war ein ganz gewöhnliches Huhn, braun und ohne besondere Merkmale. Aber sie war nicht dumm, nur zeigte sie das nie und das ist klug genug. Sie legte brav ihre Eier und die Bäuerin war zufrieden und schaute nicht weiter nach ihr.

Aber: Emma war eben ein kluges Huhn und hatte ganz heimlich in einem dunklen Winkel ein eigenes, kleines Nest gebaut und dort sechs Küken ausgebrütet. Die Bäuerin wunderte sich eine Zeitlang, daß sie weniger Eier lieferte, aber viel dachte sie sich nicht dabei. Vielleicht war sie nicht ganz so klug wie Emma?

Nun, jetzt war der Tag gekommen, an dem Emma stolz ihre Kleinen ausführte und dem ganzen Hühnerhof präsentierte. Der Hahn, der Papa, war sehr stolz, er flog sofort auf den Heuhaufen und krähte dort ganz laut, daß auch wirklich jeder hinschaute. Die Bäuerin schlug die Hände über dem Kopf zusammen:

"Das habe ich garnicht bemerkt! Und dabei brauche ich gar keine Küken, ich habe genug Hennen - naja, aber wenn sie schon da sind ..."

Der Bauer schüttelte den Kopf und bahnte sich seinen Weg zum Kuhstall, denn alle Hennen hatten sich versammelt und begrüßten den Nachwuchs, und er mußte darauf achten, nicht über so eine Gackerliese zu stolpern. Die Bäuerin aber streute eine Handvoll Körner mehr aus, damit die Kleinen genug zu futtern bekamen. Und so nahm das Leben im Hühnerhof seinen Lauf und es wäre alles wunderbar gewesen, hätte nicht ein Habicht die Kleinen entdeckt.

Er freute sich sehr, junge Hühnchen waren sein Lieblingsfutter, und so flog er erst ganz leise heran, dann aber stürzte er sich blitzschnell auf sein Opfer, die Fänge ausgestreckt, um sich so ein gelbes, verlockendes kleines Ding zu greifen. Die ganze Hühnerschar stob erschrocken auseinander - mit großem Gegacker und Geschrei und vielen fliegenden Federn und Emma und ihre Kinder standen ganz allein im Hof.

Emma erschrak fürchterlich, aber sie war zu allem bereit, um ihre Kinder zu retten. Und als der Habicht ganz tief über dem Boden war und seine Krallen ausfuhr, da sprang ihm Emma auf den Rücken und begann, mit aller Kraft auf ihn einzuhacken! Der Habicht hatte absolut nicht mit so etwas gerechnet - normalerweise flohen alle Hühner - und duckte sich unter dem Gewicht und dem heftigen Angriff. Verzweifelt versuchte er, die Henne abzuschütteln, denn mit ihr auf dem Rücken konnte er nicht auffliegen. Und er hatte Angst um seine Augen, Emma versuchte immer wieder, sie zu erreichen.

Endlich - endlich! - schaffte es der Habicht, seine Last loszuwerden und in voller Panik schlug er mit den Flügeln und schoß in die Luft - ohne Beute, nur, um sein Leben zu retten. Emma aber eilte zu ihren Kindern und huderte sie liebevoll und zärtlich, ihr Herz schlug noch immer so heftig, als wollte es aus der Brust springen. Und es war ganz still im Hühnerhof, nicht einmal ein Gackern war zu hören, und der Hahn stand ganz beschämt, denn er war genauso geflohen wie die Hennen.

eine henne auf dem rücken eines habichts um ihre kleinen zu schützen

Die Bäuerin aber hatte den Aufruhr beobachtet und war schon auf dem Weg gewesen, um den Habicht zu vertreiben, aber Emma war schneller gewesen. Und so schaute die Bäuerin nun voll Hochachtung und Respekt auf die mutige Henne und sagte:

"Mama Emma heißt du von heute an - und du wirst nie, nie, nie im Kochtopf landen!"

Und so geschah es, Emma lebte ein glückliches Hennenleben bis zu seinem natürlichen Ende.

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Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Die tapfere Glucke wurde von da an bis an ihr Lebensende „Mamica“ – Mütterchen – genannt.