In meinen jungen Jahren, als ich viel Umgang mit Kindern hatte, hörte ich oft:
"Erzähl uns eine Geschichte!"
Ich machte die Erfahrung, daß sie die bekannten Märchen alle kannten - na, dann mußte ich welche erfinden. Und dafür gab es viele Anlässe, denn meine Märchen entstanden nicht am Schreibtisch sondern aus allen möglichen Situationen heraus.
Oft wurde ich gefragt, woher ich diese Einfälle hatte, und da erzählte ich ihnen die Geschichte von der Murmelquelle.

Tief im Wald auf einem steinigen Berg entsprang eine lebendige Quelle. Es war nur ein kleines Wässerchen, das da über die Steine sprang zwischen hohen alten Bäumen auf dem Berg, aber bald bekam es Gesellschaft von anderen Quellen links und rechts und so wurde es schnell zu einem stattlichen Bach, der geräuschvoll den Berg hinunter eilte.
Aber ganz oben, am Ursprung, da gab es ein moosiges Plätzchen, die Bäume traten ein bißchen zurück und gaben dem Sonnenschein freien Zugang, dort konnte man gut sitzen und dem Geplauder der Quelle lauschen, wenn die vielen Vögel einmal still waren. Und der Wind rauschte durch die Zweige der Bäume und erzählte der Quelle all die Geschichten aus fernen Ländern und das Wässerlein plauderte alles weiter. Wenn man aufmerksam zuhörte, erfuhr man die erstaunlichsten Dinge.
Und genau da holte ich mir meine Märchen: von er kleinen Plauderquelle im Bergwald.