Ich bin mit Hunden aufgewachsen und Hunde lieben mich und gehen gewöhnlich auf mich zu. Das kann zu lustigen Situationen führen.

Ich war in Graz am Murkai unterwegs, als mir eine alte Damen mit ihrem nicht angeleinten Hund entgegenkam. Der Hund war eine typische Promenadenmischung und ziemlich groß, etwa so groß wie ein Rottweiler, aber viel schlanker und mit längerem Fell. Der Hund sah auf von seinem Schnuppern, erblickte mich und sauste los, die Augen blitzend und mit seinem ganzen Körper lachend. Zum Glück weiß ich, wie man so ein beschleunigtes Schwergewicht abfängt, sonst hätte ich nicht nur die Pfoten auf den Schultern gehabt, sondern wäre plattgewalzt auf dem Boden gelegen. Sein Frauchen aber war kalkweiß vor Schreck - ich denke, sie folgte meinem Rat und leinte ihren Liebling danach immer an. Wir schieden als Freunde.

Auch mein Mann war Liebling aller Hunde. Sein ruhiges, liebevolles Wesen zog sie magnetisch an. Südfrankreichs Hunde liebten uns. Sie laufen in den Dörfern alle frei herum und jeder kümmert sich um sie. Für einen Fremden ist es nicht feststellbar, zu wem der Hund gehört, denn er ist überall zuhause. 

Wir kamen in ein Dorf, das wunderschön auf einem Hügel hockte - Village perché nennen sie das, "aufgehocktes Dorf". Wir fuhren hinauf und spazierten in das Dorf, weil wir die Aussicht genießen wollten. Es war Mittag und der Dorfplatz menschenleer, denn die Mittagszeit ist dem Franzosen, auch im Midi, heilig. Die einzigen lebenden Wesen, abgesehen von den Vögeln in den Bäumen, waren zwei Hunde und eine Katze, die sich miteinander unterhielten. Wir schlenderten zu dem Mäuerchen, das den Platz vom Abhang trennte und blickten über das schöne Land, als sich das Triumvirat auflöste und die Katze auf uns zugeschlendert kam. Sie näherte sich uns ein bißchen abwartend aber sehr freundlich, also wurde sie von uns begrüßt und nahm unser Streicheln begeistert an. Als die Hunde das sahen, kam zuerst einmal einer zu uns, um seine Streicheleinheiten abzuholen und gleich darauf gesellte sich der zweite auch zu uns. Wir hätten eine Menge mehr Arme und Hände gebraucht!

In Cordes, einer sehr schönen Kleinstadt der Provence, stellte sich mir eine Katze in den Weg - im wahrsten Sinn des Wortes. Sie strich um meine Beine, mit hoch erhobenem Schwanz, und forderte mich unmißverständlich zur Interaktion auf. Also hockte ich mich hin und streichelte sie, redete mir ihr und sie redete mit mir, während mein Mann sich im Hintergrund hielt und köstlich amüsierte. Irgendwann entschied ich mich, weiter zu gehen - da hatte ich aber die Rechnung ohne die Katze gemacht! Sie kam mir nach, umarmte mein Bein mit beiden Vorderpfoten und biß sacht in meine Wade, ganz nach dem Motto: "Wann du gehst, entscheide ich!" - Es dauerte eine gute Weile, bis ich davonkam!

Vor der Tour Magne in Orange ist ein riesengroßer Platz, in der Hauptsaison ist er sicher voll mit Bussen und Touristenautos. Als wir ankamen, stand dort ganz verlassen nur ein einziger PKW, darin saß ein Mann und las eine Zeitung. Wir stiegen aus und machten uns auf den Weg zum Turm, als plötzlich über den halben Platz ein Cockerspaniel auf mich zuraste .... mit fliegenden Ohren und 10 cm über dem Boden. Der Hund sprang an mir hoch, begrüßte mich als wäre ich seine beste Freundin und lange weggewesen und warf sich vor Freude auf den Rücken, um sich den Bauch kraulen zu lassen, sprang wieder auf, tanzte um mich und war ein Bild der Willkommensfreude. Wie mein Mann es ausdrückte: "Endlich bist du da! Ich habe schon so lange gewartet!" Ihr Herrchen im Auto warf nur einen kurzen Blick auf uns und las gemütlich weiter seine Zeitung. Ich war eine gute Weile mit dem Hund beschäftigt, ehe es mir erlaubt wurde, den Turm zu erklimmen.

Ein Campingplatz in Tesseronne war auch so ein Begegnungsort. Schon als wir mit unserem alten Bedford-Bus einfuhren und ihn in der Nähe eines französischen Campinganhängers abstellten, fing der Foxterrier, der daneben angeleint war, an zu toben. Das Hundemädchen drehte total durch und versuchte ständig, zu uns zu kommen, wurde aber von der Leine immer wieder zurückgerissen. Wir stürzten auf sie zu voll Angst, sie könnte sich das Genick brechen, und es gab große Begrüßung. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dieses Spiel wiederholte sich jeden Morgen solange wir dort blieben. Ich fürchte, hätten ihre Leute sie losgelassen, wäre sie mit uns gegangen anstatt mit ihnen.

Jeden Morgen kamen zwei Hunde, ein Rüde und eine Hündin, zum Frühstück. Beide waren wohlgenährt, aber sie hatten herausgefunden, daß wir zu einer ihnen angenehmen Zeit frühstückten und das ist nie zu verachten. Der Rüde war ein bißchen mäkelig - er wollte sein Baguette mit Butter und Honig, aber als seine Gefährtin das Brot ohne alles annahm, ging das auch bei ihm. Lieber ohne als sie futtert alles weg!

Abends besuchte uns eine Hornisse. Sie wollte unbedingt in unseren Bus und nur das Moskitonetz vor dem Eingang hinderte sie daran. Ich machte blitzschnell die Türe zu und sie summte ungehalten davon. Am nächsten Morgen saßen wir beim Frühstück und Goldibrumm kam wieder, flog schnurstracks auf mich zu und summte blitzschnell so nah an meinem Gesicht vorbei, daß ich den Luftzug spürte. Das war ihre Art mir zu zeigen: "Du bist das Miststück, ich weiß es genau!" Mein Mann lachte, daß er fast vom Stuhl fiel. Gemein! Sie hatte nämlich nicht gesehen, daß er alle Löcher verstopfte, in die sie hätte hineinkriechen können!

Auf einem schönen Campingplatz am Gardasee bekamen wir auch Besuch. Es war ein Buchfinkenvater, der seinen zwei Kindern zeigte, daß vom Tisch Krümel fallen, die man mit Genuß verspeisen kann. So kam die halbflüggen Teenager immer näher, der Vater aber flog davon. Als er wiederkam, mit einer dicken Raupe im Schnabel, saßen beide Kinder AUF unserem Tisch und pickten die Krümel, die wir ihnen streuten. Wie verzweifelt der Vater da war! Es dauerte lange, bis er sie weggelockt hatte und ihnen den Schnabel mit der Raupe stopfen konnte.

Es gibt noch eine Menge mehr Geschichten, aber das würde den Rahmen dieser Website sprengen. So habe ich mich auf diese kleinen Beispiele beschränkt. Freunde, behandelt unsere tierischen Vettern mit Respekt und Liebe und ihr werdet sehen: es macht sich bezahlt!