Begegnungen

Begegnungen

Es gibt Momente im Leben, die sind unvergesslich. Für mich waren das Begegnungen mit Tieren, die Spuren in mir hinterließen. Einige wenige will ich hier auf dieser Seite festhalten.

Der Besuch

Ich wuchs in einer Wohnung am Fuße des Voitsberger Schloßberges auf. Wir wußten, daß es in den Wäldern an den Hängen des Schloßberges Wildkatzen (Felis silvestris) gab, der Findlingskater einer Großtante war ein Mischling aus Wildkatze und Hauskatze. Mein Zimmer lag im ersten Obergeschoß knapp über dem Dach unserer Veranda. Es war später Abend, ich war schon im Bett, das Fenster stand weit offen. Ich war am Einschlafen und wurde durch einen tollen Lärm wach, ein Eindringling hatte meine Malbecher, die zum Trocknen auf der Fensterbank standen, runtergeworfen. Als ich mich aufsetzte, sah ich einen schwarzen Schatten wie verrückt immer an der Wand entlang durch mein Zimmer rasen. Wenn der Schatten über mein Bett sprang, duckte ich mich schnell unter die Decke - ich war recht erschrocken. Nach geraumer Zeit machte der Schatten einen Riesensatz in der Absicht, aus dem Fenster zu springen - und verfing sich im bodenlangen Vorhang.

Da lag er nun in einer Art Mulde und konnte nicht raus. Als ich mich ihm näherte, fauchte mich ein riesiger Kater an - rot-grünfunkelnd mit angelegten Ohren, blanken Zähnen und aufgestellten Haaren. Ich weiß nicht, wer mehr Angst hatte .... Ich mußte das arme Tier aber loswerden, also faßte ich den Vorhang oberhalb und unterhalb des Gefangenen - außerhalb dessen Reichweite! - zusammen und unter Aufbietung all meiner Kraft drehte ich ihn so um, daß das Tier seine Pfoten auf das Dach setzen konnte. Himmel, war das Ungetüm schwer! Als er Fuß fassen konnte, war er wie der Blitz verschwunden, ich sah nur noch einen Schimmer des schwarzgeringelten buschigen Schwanzes. Dieser Besuch war ganz schön aufregend!

AugenBlicke

Eines späten Abends, ich lag noch lesend im Bett, hörte ich ein leises Kratzen auf der Fensterbank - das Fenster meines Zimmers stand weit offen, zwischen Vorhang und Fensterflügel klaffte ein relativ breiter Spalt. Ich sah von meinem Buch auf und erstarrte: ich blickte in zwei große, leuchtende Augen. Auf der Fensterbank saß eine große Eule und hatte mir ihr Gesicht zugewandt. Wir sahen einander an - der Vogel und ich - eine ganze lange Weile, dann wandte der Vogel sein Gesicht ab und flog davon - lautlos, wie er gekommen war. Ohne das Kratzen seiner Krallen auf dem Holz der Fensterbank hätte ich ihn niemals bemerkt.

 

Zungenspiel

Voitsberg war ein Kohlenrevier, es wurde Braunkohle im Tagebau abgebaut. Aufgelassene Gebiete hinterließen Abraumhalden, die schnell mit Ginster und anderem Gebüsch überwachsen waren, und tiefe Gruben, die sich mit Wasser gefüllt hatten. Zu so einem Abraumteich waren wir zu zweit unterwegs, eine gleichaltrige Freundin und ich. Es war ein wunderschöner, heißer Tag und wir legten uns ins Gras, um eine kleine Rast zu halten - umsummt von Bienen und anderen Insekten und behopst von Käfern und Heuschrecken aller Arten. Meine Freundin schlief ganz schnell ein und auch ich dämmerte so vor mich hin. Plötzlich ließ mich etwas den Kopf wenden - und ganz knapp vor meinem Gesicht züngelte eine gespaltene Zunge und sahen mich zwei kleine Augen an. Ich erstarrte, blieb ganz still liegen und hoffte, daß die Schlange wußte, daß ich nicht in ihr Beuteschema paßte; es war eine wunderschöne Kreuzotter, die sich da viel zu nah an mich herangewagt hatte. Eine halbe Ewigkeit sahen wir einander so in die Augen, dann wandte sich die Schlange ab und glitt gemächlich davon. Auch mich hielt es nicht mehr an diesem Platz, ich weckte meine Freundin und wir gingen weiter. Ich erzählte ihr nichts von meinem Erlebnis, um keinen hysterischen Anfall hervorzurufen - den hatte sie ohnedies ein bißchen später, als eine Kreuzotter unseren Weg kreuzte. Dann wollte sie nichts mehr als heim, vergessen war der Teich ....

Schlangen sind faszinierende Geschöpfe. Mein Mann und ich beobachteten einmal eine Äskulapnatter in unserem Garten, die sich am Stamm unserer Wildrose an der Südwand unseres Hauses hinaufschlängelte, um ein Amselnest zu begutachten. Diese Rose war entsetzlich dornig, das tat der Schlange aber nichts, auch nicht, als sie über sich selbst wieder hinunterwanderte - das Amselnest war leer, so eine Enttäuschung! Die Äskulapnatter war ein ausgewachsenes Prachtexemplar, gut einen Meter lang und recht dick. Ihre Jungen konnten wir immer wieder einmal im Gras entdecken und mein Mann gab immer gut acht, wenn er mit dem Rasenmäher unterwegs war.