In alter Zeit baute ein Mann für sich und seine Familie ein Haus. Er baute es aus Holzstämmen und den Küchenteil aus Steinen, die er mit Lehm und Kalk verputzte. Die dunklen Stämme und der weiße Teil ergänzten sich wunderbar, es war ein schmuckes Häuschen. Seine Frau und seine Kinder mochten ihr Heim und schmückten es mit allem, was ihnen die Natur und ihrer Hände Arbeit lieferten. So lebte eine Generation nach der anderen glücklich in diesem Haus. Die eine odere andere Generation vergrößerte es nach Bedarf, baute ein Stockwerk darauf, aber es blieb immer in der gleichen Bauart.

Natürlich kamen auch schwere Zeiten und gelegentlich kam auch Unglück über die Familie, die gerade darin lebte, aber das Haus hatte so viel Glück aufgenommen, daß es auch in dieser Zeit ein warmes, liebevolles Zuhause war. Und es wurde von jeder Familie, die darin wohnte, geliebt und gepflegt.

Es war ein besonderes Haus, die Menschen spürten das, aber sie wußten nicht, was es mit ihm auf sich hatte. Denn - das Haus war im Laufe der Jahrhunderte lebendig geworden, es hatte viel von den menschlichen Seelen, von ihrer Ausstrahlung in sich aufgenommen, daß es selbst eine Seele bekam. Und so machte das Haus es sich zur Gewohnheit, sich seine Bewohner selbst auszusuchen.

Und so kam es, daß die alten Leute, die es bis zuletzt bewohnt hatten, gestorben waren und ihre Erben hatten sich über alle Welt zerstreut. Keiner von ihnen wollte das Haus bewohnen und so stand es eine gute Weile leer. Da merkten die Nachbarn schon, daß es ein besonderes Haus war, denn es verfiel nicht, wie das leerstehende Häuser normalerweise tun. Es wurde staubig, die Fensterscheiben waren schmutzig und auf den Böden lag der Staub, aber - das Haus selbst war immer noch wie neu gebaut. Und weil sich das niemand erklären konnte, wurde es zum Spukhaus erklärt und keiner der Nachbarn betrat es mehr - nicht einmal mehr den Garten rund um das Haus. So hatte das Haus seine Ruhe.

Immer wieder einmal kamen Fremde, die sich in der Gegend ansiedeln wollten, und schauten das Haus an, aber alle zogen unverrichteter Dinge wieder ab. Das Haus hatte sie nicht willkommen geheißen. Der Garten verwilderte und das Haus wuchs immer mehr zu. Aber eines Tages ...

Eines Tages kam ein junges Paar mit einem kleinen Mädchen in die Gegend. Sie wollten auf das Land ziehen, weil das Mädchen nicht ganz gesund war und die Eltern hofften, daß die Landluft der Kleinen guttun könnte. Der Vater war ein Kunstmaler und die Mutter Musikerin, sie spielte Cello und Klavier und gab auch Kindern Unterricht. Damit brachten sie sich bescheiden durchs Leben.

Sie standen vor dem Haus - und es war Liebe auf den ersten Blick.