Garten-Geschichten

Garten-Geschichten

Unser Garten war dicht bevölkert. Er lag mitten im Bauernland mit den großen Maisäckern, vergiftet von Pestiziden und ertränkt in Gülle. Es waren knapp 7000 qm Grund, Blumenwiese, von Bäumen beschattet und von Sträuchern begrenzt. In den Sträuchern nisteten alle Arten von Singvögeln und in den hohen Bäumen die Krähen und Wildtauben. Auf unserem Grundstück gab es keinerlei Gifte, auch nicht gegen Schnecken - überhaupt kein Gift. Das wurde zum Paradies, denn wir ließen auch Futterpflanzen für Schmetterlingslarven, gemeinhin "Unkraut" genannt, stehen. Ein Miniteichlein war auch da und so gab es Insekten in Hülle und Fülle.

Der Eingang zu unserem Haus lag im Norden und wurde durch ein Holzdach beschirmt. Im Sommer gingen wir durch den Garten über die Terrasse ins Haus, um die Grasmücke, die ihre Kinder in einem Hängekaktus vor unserem Eingang aufzog, nicht zu stören.

Ich hatte im Norden entlang des Weges in den Garten ein Blumenbeet angelegt und dort Zwergröschen gepflanzt. Sie blühten da wunderschön und waren meine ganze Freude. Ja, und nicht nur meine.

Eine Häsin zog auf unserem Grundstück ihre Kinder auf (wie auch eine Rehgeiß) und die Kleinen waren total heimisch bei uns. Naja, und so ein Hasenlümmel war mit uns so vertraut, daß er auf Armlänge an uns herankam beim Futtern. Eines Tages verließen mein Mann und ich das Haus, um zum Supermarkt zu fahren, da hockte der Lümmel vor dem Rosenbeet und tat sich an meinen Röschen gütlich - die waren ja herrlich süß, voll mit Nektar. Als wir aus dem Haus traten, hielt er inne und schaute uns an, lief aber nicht weg. 

Ich sagte laut zu ihm: "Müssen es denn wirklich ausgerechnet meine Rosen sein?" - Er musterte mich - von oben nach unten, von unten nach oben und wieder zurück, dann drehte er sich verächtlich um und setzte seine Rosenmahlzeit seelenruhig fort.

Es ist so ermutigend, nicht ernstgenommen zu werden!