Gelati
 

Gelati

Als wir Kinder waren, mein Bruder und ich, verbrachten wir mit unseren Eltern immer etwa drei Wochen an der oberitalienischen Küste. Das ist lange her... Gelati - Eismann mit Eiswagen und KindernWir liebten beide Gelati über alles und wie alle Kinder damals rannten wir grundsätzlich hinter dem Eismann her, wenn er mit seinem Wagen an den Strand kam und sein Eis ausrief. Natürlich hegten wir die geheime Hoffnung, daß etwas für uns abfallen könnte!

Eines Tages lehnte ein junger Italiener an der Seite des Eiswagens und beobachtete das Treiben auf dem Campingplatz. Er sprach mich an und ich reagierte erstaunt. Ich war damals etwa 7 Jahre alt und etwas skeptisch fremden Männern gegenüber. 

"Ist die junge Frau, mit der ich dich gesehen habe, deine große Schwester?"

Blödian, dachte ich, der muß doch wissen, daß sie meine Mutti ist. Na, wenn er so blöd ist, dann verbessere ich ihn nicht.

"Ja".

"Magst du ein Eis?"

No na! Klar, ich gierte nach dem herrlichen italienischen Eis!

"Paß auf," sagte der Italiener, "du kriegst von mir ein Eis - ein großes! - wenn du mit deiner Schwester zu dem kleinen Platz an der Promenade kommst, nur mit ihr allein. Kannst du das?"

Natürlich nicht, aber das muß der Kerl nicht wissen. Also nickte ich und sagte:

"Klar, aber das Eis will ich gleich. Und eines für meinen kleinen Bruder!" Das war nötig, der hätte mich nämlich sonst verraten, er war eine kleine Petze.

Der Italiener zögerte ein wenig: "Ganz sicher?" Ich nickte (so hatte ich die Lüge nicht ausgesprochen). Also zogen mein Bruder und ich mit dem Eis ab.

Abends machten wir, meine Eltern und wir Kinder, unseren gewöhnlichen Spaziergang in den Ort. Als sich die Wege teilten, zupfte ich meine Mutter:

"Könnten wir nicht einmal den anderne Weg nehmen, immer der gleiche, das ist so langweilig!"

"Naja, warum nicht?" sagte mein Vater und wir bogen ab. Uff, gerettet! 

So verkaufte ich meine Mutter um ein Eis. Aber dem Italiener ging ich fortan lieber aus dem Weg ...