Er ist nicht groß, seine Oberfläche wird vielleicht 3 qm betragen und an der tiefsten Stelle reicht er gerade einen Meter hinunter. Aber er ist ein Kosmos im kleinen, unser Gartenteich. Die erste Version war ein kleines Becken aus gepreßtem Kunststoff, das wir unter dem Ahorn eingruben. Es war schnell mit allerhand Insekten bevölkert. Das Jahr darauf wollten wir einen richtigen kleinen Folienteich anlegen. Grabarbeiten auf unserem Grundstück waren die gute Gelegenheit. Mit dem kleinen Bagger hoben die Bauarbeiter ein Teichlein aus und legten sogar grob die Stufen an. Dann gingen wir ans Werk, und bald konnten wir ans Einlassen des Wassers gehen. Den Inhalt des alten Tümpels hatten wir sorgfältig aufgehoben und leerten ihn jetzt sachte in das neue Becken.

Ein paar Tage lang ließen wir langsam Brunnenwasser einlaufen und beobachteten, was sich im Wasser tat. Und da geschah das Wunder: der neue Teich war gerade mal zur Hälfte gefüllt, da war schon ein Gelbrandkäfer eingezogen und ein Molch tummelte sich darin! Wir waren zutiefst beeindruckt. Sobald das Wasser sich einigermaßen beruhigt hatte und warm genug war, holten wir Wasserpflanzen und setzten sie ein. Und nun ging es los: binnen kürzester Zeit war unser Teich bevölkert von Käfern, Insekten, Insektenlarven, Molch und Gelbrandkäfer gingen auf die Jagd und sogar Schnecken gab es schon drin. Das eine oder andere Fröschlein wagte sich heran und unsere im Kompost wohnenden Ringelnattern genossen das kühlende Naß.

Wir sammelten Steine und statteten den Uferrand damit aus. Große Steine und Pflanzen, wie Schwertlilie, Kalmus und Segge gaben den Tieren Sichtschutz und flache Uferbereiche, mit kleinen, runden Steinen belegt, eigneten sich als Vogelbad. Wurzelstöcke dienten den anfliegenden Vögeln als Warte - nein, es war kein geschniegelter Teich, wie man ihn in vielen Prospekten sieht. Wir hatten ja auch keinen geschniegelten Garten, sondern eine "kontrollierte" Wildnis, in der sich auch Wildtiere wohlfühlten.

Viele unserer Sommer waren lang, heiß; und trocken. Das trieb auch Wildtiere an unseren Teich, und abends konnten wir von unserer Terrasse aus auch den auf unserem Grundstück lebenden Feldhasen und Meister Igel beim Trinken beobachten. Den Vögeln konnte man den lieben langen Tag beim Treiben am Gartenteich zuschauen.

Noch besteht der Teich, wenn mir das Grundstück auch nicht mehr gehört, weil ich es nach dem unerwarteten Tod meines Mannes verkaufen mußte. Und so geht das lustige Treiben dort weiter. Unermüdlich fliegen die Libellen, hin und her, größere und kleinere Runden. Manchmal setzt sich auch eine Libelle auf einen Zweig oder Halm, wartet ganz still auf ein vorbeifliegendes Insekt und plötzlich startet sie los wie der Blitz und hat es schon. Fehlgriffe kommen sehr selten vor. Wir freuten uns an 6 Libellenarten, die unser Teich angelockt hatte. Weniger Freude bereitete Mutti unser Laubfrosch. Sein Gesang ist ein paar Kilometer weit zu hören. Er aber saß nur sechs oder acht Meter von unseren Schlafzimmerfenstern entfernt und sang mit Hingabe von Mitte Mai bis Mitte Juli. Licht aus dem Haus und Musik fand er überaus anregend; er kam dann immer näher heran.

Im Mai blühen der Fieberklee und der Kalmus, dann kommen die Schwertlilien dran. Sie werden vom Wasserhahnenfuß abgelöst und zuletzt erfreut noch das Hechtkraut mit seinen blauen Blüten. Im Winter deckt eine dicke Eisschicht den Teich und darunter schlummern Tiere und Pflanzen dem neuen Frhling entgegen. Wir aber warteten schon hart auf die lauen Abende mit Vogelplaudern, Fledermausflug und Igelhuschen und erfüllt vom Trillern der Unken und Kröten und dem Quaken der Frösche, einem letzten Drossellied und dem Schlagen der Nachtigall (... und Gelsen, sprich Stechmücken ...). Viele Gelsen hatten wir nicht. Dazu ist sind Teich und Wiese zu bevölkert von Freßfeinden und hinter der Holzverkleidung der Loggia leben Fledermäuse und ziehen da ihre Kinder groß. Im Sommer sitzen sie auch an der Rückseite der Fensterbalken. In der frühen Dämmerung fliegen sie aus, mischen sich kurz mit den letzten Schwalben beim Abendessen und dann putzen sie ganz allein den Himmel. Wir konnten zwei Arten unterscheiden: die eine fliegt schon in der Dämmerung recht früh und die andere kommt später, kurz ehe die Nacht vollends hereinbricht.

So sorgt ein winziges Gartenteichlein direkt und indirekt für eine ganze Menge "Wildlife".