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Sport und Doping

Seit ein paar Tagen werden die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin vom Dopingskandal im Lager der österreichischen Biathleten erschüttert. Die internationale Presse stürzt sich mit Heißhunger darauf, unsere eigene Presse schwätzt das Blaue vom Himmel herunter und die Funktionäre des ÖOC versagen völlig, wenn es um sachliche Information geht.
Allerdings: kann es Sachlichkeit in diesem Thema überhaupt geben? Doping ist schmutzig, das steht einmal fest, auch wenn es gang und gäbe ist im sogenannten Hochleistungs"sport". Und da bin ich schon mitten in meinem Thema: ist das, was uns hier geboten wird, überhaupt noch Sport? Sind diese Menschen, die da nach allen Richtungen hin manipuliert werden, überhaupt Sportler? Oder sind sie einfach "Material", Gladiatoren, Hochleistungsmaschinen?
Junge Menschen, die sich in einer Sportart hervortun, haben ein einziges Ziel: berühmt werden, auf dem "Stockerl" stehen, viel Geld verdienen - vor allem aber: Ruhm, Ruhm, Ruhm. Sie sind, um dieses Ziel zu erreichen, zu fast jedem Opfer bereit: Schulstress, keine Freizeit, härtestes Training und übergroße Disziplin, auch in der Nahrungsaufnahme. Disziplin ist aber auch im höchsten Grade nötig, um den Körper dazu zu bringen, daß er die geforderten Höchstleistungen auch erbringen kann - und da fängt die Manipulation an. Nicht nur Kraft- und Ausdauertraining, auch entsprechende Aufbaumittel werden eingesetzt. Der junge Sportler schluckt, was ihm der Verbandsarzt und seine Trainer vorsetzen. Meist werden "erlaubte" Mittel angewandt, oft aber auch solche, die klug eingesetzt werden müssen, damit ihre Anwendung bei Kontrollen nicht feststellbar ist und die besondere Leistungen möglich machen sollen. Genau das aber ist dem Sinn nach verboten und wird "Doping" genannt.

Warum macht man das? - Die Antwort ist einfach: hinter dem sogenannten Sport steckt eine Industrie, steckt ein Vermögen an Geld. Schließlich lebt dieser "Sport" vom Sponsoring - und warum unterstützen die großen Marken den Sport? Weil sie am Absatz ihrer Produkte verdienen wollen und die Sportereignisse, das Spektakel, den Bekanntheitsgrad und die Attraktivität ihrer Produkte fördern. So werden Athleten, welcher Sportart auch immer, zum Gebrauchsgegenstand der Sponsoren. Sie müssen Erfolg haben, denn nur mit ihrer Berühmtheit wächst auch die Bedeutung ihrer verwendeten Materialien - und dieser Erfolg hängt davon ab, daß sie schneller, geschickter, stärker sind als ihre Konkurrenten.
Die körperliche Leistungsfähigkeit des Menschen hat natürliche Grenzen. Aber man kann sie steigern, man kann dafür sorgen, daß der Sportler über seine Grenzen hinaus agieren kann - und genau das bewirken die sogenannten Dopingmedikamente. Freilich schadet diese permanente Überforderung - es gibt keinen Hochleistungssportler, der sich gesund aus seinem "Sport" zurückzieht. Die meisten sind mit 30 bereits verkrüppelt und haben ein schmerzhaftes Alter vor sich. Dafür soll sie der entsprechende Verdienst entschädigen.
Damit erhebt sich allerdings die Frage: was hat das alles noch mit Sport zu tun? Der Ehrgeiz dieser jungen Menschen liefert sie auf Gedeih und Verderb einer übermächtigen Industrie und ihren Handlangern, sprich: Trainern, Serviceleuten, Sportärzten, Eventveranstaltern, aus; was diese sagen, das wird gemacht. Ein Stockerlplatz bei Großbewerben soll sie dafür entschädigen: für die Qualen, die Risken, die Tränen und den Verlust ihrer Gesundheit. Und natürlich die finanzielle Absicherung durch entsprechende Sponsorverträge.

Für mich geht es in erster Linie aber um die Frage: was ist Doping wirklich? - Da werden von Gremien, die sich dazu berufen glauben, bestimmte Medikamente und Zusatzstoffe und Inhaltsstoffe als tabu erklärt, aber andere Medikamente werden davon ausgenommen - wenn man eine bestimmte Krankheit anmeldet, wie z.B. Asthma, dann werden auch geächtete Inhaltsstoffe der Medikamente legalisiert - aber eben nur für diesen einen bestimmten Fall.
Ist das in Ordnung?
Meine Meinung: nein. Ein Sportler mit Asthma (oder einer anderen Krankheit, egal welcher) ist eben nicht gesund und daher nicht in der Lage, seinen Beruf auszuüben und an Wettbewerben teilzunehmen. Es darf einfach keine Ausnahmen geben, sonst ist Doping eben kein Doping und generell zu erlauben. Es ist nicht einzusehen, daß einige Sportler angefüllt mit verbotenen Stoffen teilnehmen dürfen, weil sie diese Stoffe benötigen, um überhaupt eine Leistung erbringen zu können - und alle anderen werden dafür bestraft.
Gleiches Recht für alle - und gleiche Pflicht.
Und weil das so ist, wie es ist, und dieser Grundsatz außer Kraft gesetzt wurde, weil im ganzen Geschäft (und weiter ist es nichts) die Heuchelei vorherrscht, werden die Sportler zu Gebrauchsgegenständen, zu Gladiatoren, zu Maschinen degradiert. Man schmiert sie, damit sie funktionieren, diese Maschinen, mit erlaubten oder unerlaubten Mitteln, und wenn sie nicht mehr können und die geforderte Leistung nicht mehr bringen, dann werden sie durch neue Modelle, Nachwuchs also, ersetzt.

Und wenn mal wieder etwas Verdächtiges gefunden wird, gibt es einen Skandal, der auf dem Rücken der Opfer ausgetragen wird und nicht auf dem der Schuldigen: der Industrie und ihrer Handlanger. Handlanger sind schließlich auch diejenigen, die diese Regeln aufgestellt haben und mit zweierlei Maß messen; die zulassen, daß Regeln aufgestellt und Ausnahmen zugelassen werden, die zulassen, daß alles, was nicht als Ausnahme deklariert wurde, kriminalisiert wird. Also sollen die Funktionäre, die sich im Falle des Falles entweder verstecken oder platte Sprüche von sich geben, mal ebenso an den Pranger gestellt werden - denn sie machen sich zu Handlangern des schmutzigen Geschäftes. Das gilt für alle Sportverbände und ebenso die ganzen Veranstalter-Kommitees, wie z.B. das Olympische Kommitee.
Nein, das hat mit Sport nichts mehr zu tun, nur mehr mit Wirtschaftskriminalität und schmutzigster Heuchelei. Egal, in welchem Land und in welchem Lager es passiert.
Sorry, mir graust.

Das schrieb ich vor 11 Jahren - und es hat sich nichts, aber schon gar nichts, geändert.

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