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Muttertag

Mutterschaft ist nun mal der Frau vorbehalten, und so ist der Muttertag, wie wir ihn kennen, ein Kind der US-Amerikanischen Frauenbewegung und hat sich seit 1914 auch in Europa breitgemacht. Das Dritte Reich hat das nur zu gern aufgegriffen und Mutterschaft wieder zu einer Art Kult hochstilisiert. Die heutige Bedeutung des Muttertages ist eine verbeamtete, institutionalisierte - und zutiefst ökonomische.

Das Verhältnis zwischen Mutter und Kind ist ein durch und durch persönliches, ein Nahverhältnis, das keine dritte Person zuläßt. Warum hat dann die Öffentlichkeit, vertreten durch Beamtenstaub und Politikerschmalz, (was entsteht, wenn man Staub und Fett zusammenmischt und formt?) solches Interesse an der Mutterschaft?
Ganz einfach: der Staat (siehe oben) braucht Steuerzahler, Kreuzelschreiber und Kanonenfutter (Arbeiter nur mehr in Ausnahmefällen und geringer Anzahl), um seine Existenz zu erhalten. Die Produktion erfolgt derzeit noch ausschließlich durch die Mutter, infolgedessen ... Unter diesen Umständen nimmt man sogar die Einzigartigkeit der weiblichen Konstruktion zur Kenntnis; toll, was? Obgleich man der Nation zum emanzipatorischen Ausgleich ja auch den Vatertag verordnet hat.
Zuerst wäre mal zu klären:  welcher Art von Mutter gilt der Tag eigentlich? Da gibt es einmal die leibliche und die Adoptiv-, Stief- oder Pflegemutter; die "gute" und die "schlechte" Mutter; die liebevolle und die lieblose Mutter; die sorgsame und die nachlässige Mutter usw. usf. Betrachtet man das, steht fest: das Wort "Mutter" bedarf grundsätzlich eines Adjektivs, einer näheren Beschreibung. Am Muttertag ist doch wohl die treusorgende, liebevolle Mutter gemeint? Ja, aber muß sie eine leibliche oder darf sie auch eine Adoptiv-, Stief- oder Pflegemutter sein?
Alle Mütter, wird gesagt, sollen geehrt werden. Wie jede öffentliche Veranstaltung (oder sollte es "Verordnung" heißen?) läßt auch der Muttertag den Kern, den Zielpunkt vermissen. In den Kindergärten und Schulen müssen die Kinder ihre Handarbeiten und Zeichnungen "für die Mutter" anfertigen - ob das Kind eine Mutter (egal welcher Art) hat oder nicht, ob es daheim bei seiner Mutter lebt oder nicht, ob es seine Mutter kennt oder nicht, ob zwischen Mutter und Kind Liebe herrscht oder nicht.

Alsoooo: Mütter. Der Tag gilt ALLEN Müttern, heißt es. Oho! Der Mensch ernährt sich gewöhnlich auch von tierischem Eiweiß, das heißt von geschlachteten oder erjagten, also ermordeten Tieren. Auch Tiere werden von weiblichen Geschöpfen geboren, genährt und großgezogen - damit der Mensch sie fressen oder sonstwie mißbrauchen (siehe Versuchstiere) kann. Gilt der Muttertag auch für Kühe, Säue, Bachen, Schafe, Raben, Wiesel usw.? Auch sie sind ja Mütter ... Ich höre schon die Antwort: das sind ja nur Tiere!
Also: für wen gilt der Muttertag? Demokratisch für alle oder begründet für bestimmte? Was ist der Muttertag überhaupt und was soll er bewirken? Fragen über Fragen!
Ich kenne eine Menge Mütter, die vom Muttertag nichts wissen wollen, die sagen: "...künstlich, Unterstützung des Handels, fremder Import, das ganze Jahr ist Muttertag oder garnicht ... usw." Das sind Mütter, die gut und gern auf die süßliche Klebrigkeit institutionalisierter Dankbarkeit und Ehrung und vor allem auf die schmalztriefenden Reden sich berufen fühlender PolitikerInnen verzichten können. Mütter sind das, die sich ihren Mutterpflichten, -sorgen, -freuden ganz ohne irgendwelche Institutionen oder behübschende verbale Berieselung stellen.
Brauchen wir den Muttertag? Ist das wirklich ein Ehrentag? Oder reiht er sich nicht eher in die Reihe der Kindergartenbasteleien für Ostern, Weihnachten und das Laternenfest ein? Naja, die Gärtner freuen sich - wie auch über den Valentinstag ...
Zu guter Letzt: einen schönen Muttertag allen Müttern, die sich betroffen fühlen! Möget Ihr nach dem Muttertag das Geschirr abgewaschen und vollständig vorfinden!

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