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Gastkommentar 2006

Nachbarkeitshilfe oder Mitmenschlichkeit
Für die Giessener Allgemeine - Artikel von Angelface
Heiliger Zorn packt mich, wenn ich Geschichten höre, die mir meine Mutter aus ihrem Alltagsleben erzählt. Kein Wunder wenn ich involviert bin, da es mich emotional angeht, doch im Grunde ist das ein Problem, das viele ältere Mitbürger (be)trifft.
Der strenge Winter ist da, viele ältere Damen leben allein, die Väter / Ehepartner oder Lebenspartner sind gestorben oder sonst wie gegangen, die Kinder aus dem Haus und sie müssen - egal wie alt oder krank - alleine ihren Alltag bewältigen. Da wären eigentlich - Hilfen angesagt, denn Deutschland "schimpft" oder um es ein wenig gnädiger auszudrücken "bezeichnet" sich als Sozialstaat, der für seine Bürger sorgt, ja er brüstet sich regelrecht damit, um besonders gut in den Augen anderer dazustehen.
Wo bleibt die Hilfe in den Kommunen? In den jeweiligen Gemeinden? Besorgt der Bürgermeister eines Dorfes freiwillige Sozialhilfe in Form von dafür abgestellten Jugendlichen oder gibt es eine Einrichtung, die man dafür ansprechen kann?
Nein…
Bei unzähligen Anfragen an die Gemeinde war keiner dafür zuständig. Keiner alt und / oder verantwortungsbewusst genug, um sich hierüber Gedanken zu machen.
Sind die Bewohner der Gemeinden alle jung, stark, autark und hilfsbereit? -
Wieder nein…und hierüber macht sich auch keiner einen überflüssigen Gedanken.
Wer bringt die überquellenden Mülleimer an die Straße zum Leeren…?
Wer fegt die Straße vom eisigen Schnee frei…?
Wer macht die Hausordnung, wenn die Bewohner nicht mehr dazu kräftemäßig imstande sind…?
Wer kauft ein, wenn man bettlägerig wird…?

Zwar sind die Altenheime überfüllt, man wird angehalten sich so lange als irgend möglich alleine zu versorgen, aber Hilfe gibt es nicht.
Eine Putzfrau, die einmal in der Woche das Grobe wegmacht, kann sich nicht jeder leisten. Rentner haben meist nicht die Mittel dazu. Alleingebliebene, die lange verheiratet waren, keinen eigenen Beruf ausübten, da bleibt die Rente karg und ist oft nur gerade für den Lebensunterhalt da.
Egal ob männlichen oder weiblichen Geschlechts, gesundheitlich geschwächt, ist diesen oft nicht mehr zuzumuten, diese groben Arbeiten zu erledigen.
Es gibt Gesetze, auf die sich Mithausbewohner berufen, die besagen: "zur Hausordnung gehört, dass die vereisten Gehsteige morgens um 7 von Schnee und Eis befreit werden!".
Was tun, wenn man das nicht mehr kann…? Das würde ich mal die Gemeinde fragen!
Nicht jeder hat Freunde oder einen großen Bekanntenkreis, die diese Arbeiten übernehmen (können).
Nachbarschaftshilfe wird kleingeschrieben, wenn es darum geht, einer älteren Dame mal ab und zu zur Hand zu gehen. Im Hause meiner Mutter war beispielsweise ein männlicher Mieter, der sich mit seinen gerade mal 30 Lenzen erdreistete, sie auf ihre Aufgaben, wie Straße fegen, Mülleimer an den Straßenrand schieben etc. hinzuweisen, ohne auch nur einmal nachzufragen, warum es ihr nicht möglich war.
Da fragt man sich: "wo ist der männliche Beschützerinstinkt, die Höflichkeit einer Älteren gegenüber, hingeblieben?"

Bewusstseinsschärfung - wäre eine Aufgabe der Gemeinden in einer ihrer vielen Veranstaltungen, wo es um das Wohl der Bürger geht.
Doch die Gemeinden sind wohl mehr damit beschäftigt, Geld für die Instandhaltung der Straßen und Gebäude einzutreiben, auf Hilfsorganisationen in aller Welt hinzuweisen, um Spenden zu bitten, in Zeitungsartikeln gut dazustehen, wenn es um Wohltätigkeitsveranstaltungen oder Ausstellungen "wie wird mein Dorf schöner" geht und vieles mehr.
Die Caritasstationen werden es schon richten, war das, was man zu hören bekam, wenn man mal nachfragte, wer denn nun zuständig sei.
Die Pflegestufe I - die besagt "2stündige tägliche Hilfe bei Alltagsarbeiten, die nicht mehr alleine bewältigt werden können" - was oft dazu beitragen könnte, nicht früher ins Altenheim abzuwandern - übernimmt nicht die Krankenkasse, dafür haben unsere Gesetzesänderungen gesorgt. Ich denke, es ginge auch anders, wenn man ein wenig darüber nachdenken würde.
In den Polit-Talk-Shows wird doch so oft darüber gesprochen, dass unser Staat völlig überaltert ist und man viel mehr für die Älteren Mitbürger tun sollte. Wo bleiben die Gesetze, die das - wie so vieles andere vorschreiben, ja, wo es zum Teil empfindliche Strafen gibt, wenn man sie nicht einhält.
Sozialstaat Deutschland…was nun…?
Copyright by: Angelface (die Daten der Autorin sind Cara bekannt)

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